Frührehabilitation II
Neurologische Rehabilitation für Menschen mit schweren psychomentalen Störungsbildern
Das interdisziplinäre Behandlungsteam der Abteilung Frührehabilitation II in der Station Wilen ist spezialisiert auf die neurologische Rehabilitation von Patientinnen und Patienten, die nach einer hirnorganischen Schädigung schwere kognitive und neuropsychiatrische Störungsbilder erworben haben.
Indikationen sowie Charakteristik der Patientinnen und Patienten
Die Therapieprogramme und Betreuungsstrukturen dieser geschlossen geführten Station sind auf die besonderen Bedürfnisse psychomental schwer betroffener Patientinnen und Patienten mit folgender Symptomatik zugeschnitten:
- Ausgeprägte Gedächtnisdefizite mit Desorientierung und Konfabulationstendenz
- Schwere Aufmerksamkeitsstörungen
- Dysexekutives Syndrom
- Störungen der Verhaltens- und Affektsteuerung
- Antriebsstörungen
- Selbst- und fremdgefährdende oder sozial inadäquate Verhaltensauffälligkeiten.
Die Patientinnen und Patienten benötigen einen besonders personalintensiven Betreuungsaufwand, dessen Anforderungen die Strukturen einer offenen Rehabilitationsstation nicht gerecht werden. Eine Behandlung im psychiatrischen Rahmen ist trotz ausgeprägter Verhaltensauffälligkeiten nicht indiziert. Das Störungsbild ist prinzipiell reversibel. Somatische Störungen sind in der Regel kumulativ vorhanden und ebenfalls behandlungsbedürftig.
Schwerpunkte und Ziele der Behandlung
- Das übergreifende Rehabilitationsziel ist es, die zu Beginn der Behandlung in allen Lebensbereichen auf umfangreiche Unterstützung angewiesenen Patientinnen und Patienten zu weitestgehend selbständiger Lebensführung zu befähigen und ihre Wiedereingliederung in das Leben vor der Erkrankung zu ermöglichen.
- Die vorhandenen individuellen Ressourcen sollen zur Entfaltung gebracht werden, die Auswirkungen der Hirnschädigung auf die selbständige Alltagsbewältigung soll minimiert und eine nicht indizierte psychiatrische Hospitalisierung, bzw. vorzeitige Institutionalisierung in einer Pflegeeinrichtung, so weit wie möglich verhindert werden.
Leistungsspektrum der Abteilung für Frührehabilitation II
- Die Schwere der Störungen und die Multimorbidität (Zustand mit mehreren Erkrankungen) der Patientinnen und Patienten erfordern einen längerfristig angelegten Aufenthalt von sechs Wochen bis zu sechs Monaten. Die Behandlung folgt einem interdisziplinären, ganzheitlichen bio-psycho-sozialen Behandlungsansatz im Rahmen eines (geschlossenen) soziotherapeutischen Stationsmilieus. Eckpunkte sind ein hoch strukturierter Tagesablauf, Realitäts-Orientierungstraining in allen Bereichen des Stationsalltags und weitgehende 1:1-Begleitung. Darüber hinaus wird die psychiatrische und psychopharmakologische Behandlung sowie die Behandlung von internistischen Comorbiditäten (körperlichen Erkrankungen) gewährleistet.
- Das an den individuellen Rehabilitationszielen orientierte, fortlaufend individuell angepasste Behandlungskonzept besteht aus intensiver neuropsychologischer Diagnostik und Therapie, aktivierender therapeutischer Pflege, Physio-, Ergotherapie, Logopädie, Orthoptik, Qigong sowie aus Musik- und Aktivierungstherapie im Einzel- und Gruppensetting.
Die Abteilung bietet Patienten und Angehörigen eine wohnliche, freundliche und ruhige Atmosphäre. Das erfahrene und gut kooperierende multiprofessionelle Behandlungsteam gewährleistet eine hohe Personaldichte und feste Bezugspersonen sowie dem Bedarf der Patienten entsprechend Sicherheit, Krisenstabilität und Struktur. Die Angehörigen werden in jeder Rehabilitationsphase in die Behandlung einbezogen und im oft nicht einfachen Umgang mit der Situation beraten.



